Stromhandel in Europa

StromhandelGute Planung und internationale Koordination ist in der Energiewirtschaft sehr wichtig, weil es im Bereich der Energieversorgung leicht zu Engpässen kommen kann. Das liegt daran, dass der Strom auch tatsächlich zu der Zeit durch die Netze fließen muss, zu der er verbraucht wird, denn Strom kann nicht so einfach gespeichert werden; Strom ist eine Bewegung von Elektronen und Bewegung kann man nicht aufbewahren. Technische Lösungen für dieses Problem (etwa durch die Nutzung von so genannten Supraleitern), sind noch nicht ausgereift genug, um praktiziert werden zu können; die Möglichkeit der Speicherung in Kondensatoren (oder in Batterien), funktioniert nur für relativ kleine Strommengen. Unzureichende Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage sind also rein technisch schwer zu verhindern, umso wichtiger scheint es, effiziente Wege der grenzüberschreitenden Koordinierung und Verteilung von elektrischer Energie zu ermöglichen.

Die Liberalisierung des Strommarktes, wie sie der deutsche Stromkunde anhand der nun möglichen freien Wahl des Stromanbieters hat bemerken können, entspringt dem Plan, durch die Liberalisierung der nationalen Strommärkte aller Mitgliedstaaten der EU einen gesamteuropäischen Elektrizitätsbinnenmarkt mit einem durchgängigen, europäischen Stromversorgungsnetz (die "europäische Kupferplatte") zu schaffen. Damit soll der Stromhandel innerhalb der EU erleichtert werden, was wiederum dazu beitragen soll, Stromknappheiten in einzelnen Ländern auszugleichen.

Die Realität ist von diesem Ideal allerdings noch weit entfernt. Denn obwohl rein rechtlich Strom zwischen den Ländern der Europäischen Union uneingeschränkt geliefert werden kann, reicht die tatsächliche infrastrukturelle Ausgestaltung der Stromnetze noch nicht aus, um das praktisch auch wirklich bewerkstelligen zu können. Sprich: Die Stromleitungen quer durch Europa sind nicht in genügendem Maße ausgebaut, sodass es an mehreren Stellen immer wieder zu Übertragungsengpässen kommt. In großen Mengen kann Strom also nicht immer die nationalen Grenzen passieren.

Tatsächlich zeigt ein Blick in die Statistik, dass der internationale Stromhandel notwendig ist - wie EUROSTAT 2005 vorgerechnet hat. Vergleicht man den Verbrauch der einzelnen Länder und die Menge an Strom, die sie importieren, lassen sich Großbritannien, Italien und die Niederlande als die größten Stromverbraucher in Europa identifizieren. Am meisten Strom importiert wird nach Italien (hier muss mehr als ein Zehntel des national verbrauchten Strom importiert werden), gefolgt von den Niederlanden und Finnland. Als Export-Europameister und wichtigste Stromerzeuger können demgegenüber Deutschland, Frankreich und Spanien gelten. Frankreich ist diesen Kalkulationen zu Folge auch bei weitem der größte Stromexporteur, danach kommen Tschechien, Norwegen und Polen.

Nachdem rein praktisch gesehen die Stromnetze überfordert sind, große Mengen an Strom quer durch Europa zu transportieren, wird zumindest versucht, den Handel selber möglichst effizient zu gestalten und Angebot und Nachfrage bestmöglich aufeinander abzustimmen. Der Handel mit Strom wird dazu vermehrt auf den virtuellen Sektor in Form von Aktien-Transaktionen verlegt - auf den so genannten Strombörsen wird quasi in Echtzeit Strom gehandelt, dadurch soll eine optimale Verteilung des produzierten Stroms bei gleichzeitig marktadäquaten Preisen gewährleistet werden.