Der Strommarkt in Österreich
Die
Situation in Österreich gleicht in vielen Aspekten jener in Deutschland.
Das ist einerseits auf die gemeinsamen, in EU-Richtlinien und Gesetzen
festgehaltenen rechtlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen,
andererseits auf Ähnlichkeiten in der historischen Entwicklung
der staatlichen Energieversorgung. Es lassen sich aber auch einige
grundlegende Unterschiede zur Situation am deutschen Strommarkt feststellen.
Die Freigabe des Strommarktes wurde in Österreich in zwei Schritten
vollzogen. Seit 1999 können Großkunden ihren Stromanbieter
frei wählen, für österreichische Privathaushalte wurde
die Öffnung erst mit 1. Oktober 2001 wirksam. Dieser etwas behutsameren
Umstellung entsprechen auch Unterschiede in der Ausgestaltung des
Strommarktes. So ist in Österreich der Wettbewerb vor allem durch
die Tatsache eingeschränkt, dass keine Anbieter aus dem Ausland
tätig sind, wenn auch einige der österreichischen Unternehmen
de facto Tochterfirmen von internationalen Firmen sind. Zahlreiche
Experten sprechen daher in Bezug auf das österreichische Modell
der Öffnung des Strommarktes auch von einer "Liberalisierung
light".
Dementsprechend waren auch die Effekte der Öffnung des Energiemarktes
weniger stark zu spüren. So kann zumindest für Österreich
festgehalten werden, dass die große Liberalisierung, die eben
nur eine kleine war, kaum Auswirkungen auf die Preisentwicklung gehabt
hat. Das liegt aber nicht unbedingt nur an einer zu vorsichtigen Liberalisierung,
zumindest teilweise ist wohl auch die geringe Größe des
Landes zu berücksichtigen, die kaum die Etablierung mehrerer
voneinander unabhängiger Anbieter zulässt.
Eine zentrale Rolle in der Kontrolle und Verwaltung der Öffnung
des österreichischen Strommarktes nimmt die zentrale Regulierungsbehörde
E-Control ein. Für Privat- und Großkunden fungiert E-Control
vorwiegend als objektive Informationsstelle, die Tarifberechnungen
und -vergleiche anbietet und über wichtige Neuerungen in der
Stromwirtschaft und der rechtlichen Lage informiert. Anbieter haben
die Möglichkeit, sich in den auf der Homepage der E-Control installierten
Tarifrechner integrieren zu lassen. Darüber hinaus erstellt E-Control
jährliche Berichte über den Fortschritt der Liberalisierung,
über die Entwicklung von Strom- und Gasverbrauch sowie über
die Gestaltung von Preisen und Tarifen und spielt damit als unabhängige
Kontrollstelle eine wichtige Rolle für die Prävention von
Fehlentwicklungen und missbräuchlichem Marktverhalten.
Ebenso wie in Deutschland ist die Sicherstellung der Stromversorgung
unabhängig von Wohnort gesetzlich festgehalten. E-Control listet
für ganz Österreich derzeit rund 70 Stromanbieter auf, wobei
von lokalen Kleinanbietern bis zu den Nachfolgeunternehmen der ehemaligen
Monopolisten ein breites Spektrum zu finden ist. Unterschiede zwischen
den Anbietern gibt es dabei natürlich nicht nur in puncto regionaler
Abdeckung und Tarifgestaltung, sondern auch mit Blick auf die Herkunft
des Stroms: Während zahlreiche Unternehmen ausschließlich
auf erneuerbare Energiequellen setzen, finden sich noch immer Anbieter,
die auf fossile Energieträger und Atomstrom zurückgreifen.