Reale Gefahren und unbegründete Ängste beim Wechsel des Stromanbieters

Gefahren beim StromanbieterwechselObwohl in der Regel unkompliziert, kann auch der Wechsel des Stromanbieters mit Problemen verbunden sein. Das fängt bei für den Kunden schwer abzuschätzenden wirtschaftlichen Problem an: Im Unterschied zur früheren staatlichen Stromversorgung kann es durchaus passieren, dass der neue Stromversorger in Konkurs gehen muss. Für den Endkunden kommt das meist plötzlich, auch kurz vor der Insolvenz eines Betriebs sind häufig keine Anzeichen für eine bevorstehende Pleite erkennbar. Entsprechende Informationen nach außen zu kommunizieren wäre schließlich unternehmensschädigend.

Für die Verbraucher ist das natürlich unerfreulich, zieht aber weiter keine dramatischen Konsequenzen nach sich. Sie bleiben garantiert an das Stromnetz angeschlossen, haben allerdings keine Wahl mehr beim Tarif, weil sie automatisch dem Grundversorgungstarif unterstellt werden. Auch für den Fall, dass andere Gründe für ausbleibende Stromlieferungen vorliegen, sitzt der Kunde dank dieser Regelung nicht im Dunkeln.

Auch bei der Festlegung der so genannten Durchleitungsbedingungen können sich Probleme ergeben. Die Verhandlungen über die Durchleitung des Stromes des neuen Anbieters zum Endkunden, also durch das "Gebiet" des Netzbetreibers, ist Sache des neuen Anbieters, im Normalfall müssen die Kunden sich darum also keine Gedanken machen. Auch ist gesetzlich festgelegt, dass die Durchleitung ermöglicht werden muss. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass nicht festgelegt ist, zu welchen Konditionen dies passiert, daher gibt es hier auch keine einheitlichen Regelungen. Es kann also passieren, dass ein Umstieg sich in die Länge zieht, weil die beiden Parteien sich nicht über die Konditionen einig werden. Normalerweise betrifft das den Kunden aber nicht weiter, meist wird für den Übergangszeitraum vom neuen Anbieter ein Beistellungsvertrag mit dem lokalen Anbieter abgeschlossen: Er kauft also den Strom bei diesem, um ihn Ihnen liefern zu können. Im schlimmsten Fall können die Verhandlungen allerdings platzen, und der Umstieg kann hinfällig werden.

Zu beachten ist darüber hinaus bei jedem Wechsel, wer im Fall eines Stromausfalls zu kontaktieren ist. Sollte zu einem neuen Anbieter gewechselt (und nicht nur ein neuer Tarif beim alten Anbieter gewählt) worden sein, ist dieser für allfällige Stromprobleme der Ansprechpartner. Man sollte also immer sicher stellen, dass man weiß, wie man diesen im Notfall erreichen kann.

Eines der größten, aber am wenigsten diskutierten Probleme ist das der Sperrung der Stromzufuhr, sollte der Verbraucher mit der Rechnung in Verzug sein. Hier gilt es besonders aufzupassen, wenn man entweder notorisch vergesslich oder von Liquiditätsproblemen betroffen ist. Verschiedene Stromunternehmen fahren sehr unterschiedliche Mahn-Politiken. Wer beispielsweise vom alten Anbieter eine sehr entgegenkommende Verzugspolitik gewohnt ist, kann beim neuen Anbieter mit einer ganz neuen Situation konfrontiert sein. Man sollte sich also vor Vertragsantritt informieren, wie Zahlungsverzug gehandhabt wird, ob lediglich Mahngebühren verrechnet werden oder ob der Strom gleich abgedreht wird. Nicht nur ist das eine sehr unangenehme Situation, es ist auch mit erheblichen Kosten verbunden: Die Wiederfreischaltung der Stromleitung kann sehr teuer werden. Gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, die eigenen Rechte zu kennen, also einschätzen zu können, ob man unrechtmäßig im Dunkeln sitzen oder sich tatsächlich eines Vertragsbruches schuldig gemacht hat.