Geschichte des Stroms
Die
"Erfindung" bzw. Entdeckung und Nutzbarmachung des elektrischen
Stroms, wie wir ihn heute für beinahe alles verwenden, basiert
auf Jahrhunderten des Experimentierens und Entschlüsselns von
einzelnen physikalischen Gesetzen und chemischen Reaktionen, deren
Relevanz anfangs noch nicht klar war.
Die Entdeckung der Elektrostatik (der elekrostatischen Aufladung von
bestimmten Materialien) kann als erste stromrelevante Erkenntnis gewertet
werden. Speziell Versuche mit Bernstein haben schon vor fast 3000
Jahren interessante Ergebnisse gezeigt. Vom Bernstein leitet sich
auch unsere heutige Bezeichnung Elektrizität ab: Das griechische
Wort für Bernstein ist elektron. Der "Schlag" den wir
bekommen, wenn wir elektrostatisch aufgeladene Gegenstände angreifen,
ist tatsächlich ein kleiner Stromschlag, die elektrostatische
Aufladung erzeugt so genannte Reibungselektrizität.
Im 17. Jahrhundert konnte dann erstmals, nach weiteren Erkenntnissen
auf der Basis von Experimenten mit Bernstein, das erste Mal Spannung
geplant künstlich erzeugt werden. Der erste Vorläufer zum
Generator (der allerdings noch auf Basis von Elektrostatik funktionierte)
war erfunden. Damals nannte man das Ganze "Elektrisiermaschine"
und viel mehr als Funken konnte diese nicht produzieren.
Der nächste Schritt auf dem Weg zum Strom wurde im 18. Jahrhundert
mit der so genannten Leydener Flasche getan. Sie zeigt, wie elektrische
Ladungen gespeichert werden können - und ist damit eine Urform
eines Kondensators. Nach einem einmaligen Anlegen von Spannung bleibt
die Spannung auch erhalten, wenn man die Spannungsquelle entzieht.
Die Leydener Flasche erlaubte also, die Funken aus der Elektrisiermaschine
"aufzubewahren". Entdeckt wurde dieser Zusammenhang, als
Forscher bei Experimenten mit Metall- und Glasgegenständen noch
nach dem Abdrehen der Spannungsquelle Stromschläge erhielten.
Auf der Basis von Experimenten, die sich der Untersuchung von Muskelkontraktionen
von unter elektrische Spannung gestellten Froschschenkeln widmeten,
kam es Ende des 18. Jahrhunderts zur Etablierung des Galvanismus.
Die Experimente an Froschschenkel führten über Umwege zur
Erfindung der Voltasäule, der ersten brauchbaren Stromquelle.
Damit war der nächste Entwicklungsschritt getan und der Vorläufer
der modernen Batterie entwickelt: das kontrollierte Entladen bzw.
Aktivieren vorhandener Spannungspotenziale.
Ungefähr zur selben Zeit, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wurde
auch der Zusammenhang zwischen Magnetismus und Elektrizität entdeckt,
und damit die Möglichkeit, aus Bewegung in einem Magnetfeld Strom
zu erzeugen, technisch als elektromagnetische Induktion bekannt. Damit
hatte man spätestens ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
alle Grundlagen geschaffen, um Strom in größeren Mengen
zu erzeugen, damals noch Gleichstrom. Die bisherigen physikalischen
Entdeckungen konnten nun auf einer breiten Ebene genutzt werden; aus
den kuriosen kleinen Maschinen in den Labors schrulliger Forscher
war der zielgerichtete Einsatz elektrischen Stroms hervorgegangen.
Kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts wurde außerdem eine Möglichkeit
gefunden, den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom, der weit besser
hand zu haben und vor allem zu "transportieren" war, umzuwandeln
sowie Hochspannung zu erzeugen. Beide technischen Neuerungen setzten
sich sehr schnell durch und ebneten den Weg zur Festigung des Stellenwertes
des elektrischen Stroms für moderne Gesellschaften.
Heute spricht man, ausgehend von den über die Jahrhunderte gesammelten
Erkenntnissen, von drei unterschiedlichen Varianten, Strom zu erzeugen.
Eine chemische Reaktion, wie sie vor allem für Batterien genutzt
wird, eine Bewegung von Ladungen durch eine elektrostatische Kraft
und die vielleicht wichtigste: elektromagnetische Prozesse wie sie
in Generatoren zum Einsatz kommen.