Warum Energie nicht erzeugt wird …
Strom
ist, technisch gesehen, eine relativ einfache Möglichkeit, Energie
flexibel für verschiedene Zwecke nutzbar zu machen und zu transportieren.
Häufig ist davon die Rede, dass Strom erzeugt und verbraucht
wird. Das ist streng genommen nicht korrekt: Laut einem zentralen
physikalischen Theorem, dem so genannten Energieerhaltungssatz, ist
die gesamte in einem abgeschlossenen System enthaltene Energie konstant,
wird also nicht erzeugt oder verbraucht, noch zerstört oder gespart,
sondern höchstens in eine andere Art von Energie umgewandelt.
In der Physik werden verschiedene Arten von Energie unterschieden:
Etwa kinetische Energie (sie "schafft es", einen Körper
zu bewegen; umgekehrt kann man sagen, der Körper enthält
diese Energie, weil er sich bewegt), thermische Energie (bzw. Wärmeenergie),
chemische Energie (Energie, die durch chemische Reaktionen freigesetzt
wird), magnetische und eben elektrische Energie. Auch von potentieller
Energie ist in der Physik die Rede, diese ergibt sich aus der Lage
eines Körpers in einem Kraftfeld und kommt beispielsweise in
einem Gravitationsfeld oder in elektrischen Feldern zu tragen. Diese
unterschiedlichen Energieformen können ineinander übergeführt
werden, wobei die Kunst darin besteht, dies gezielt und kontrolliert
zu tun. Im Zusammenhang der "Stromerzeugung" sind dabei
vor allem die verschiedenen Methoden, andere Energieformen in elektrische
Energie umzuwandeln, von Interesse.
Die umgangssprachliche Verwendung der Begriffe Erzeugung und Verbrauch
geht trotzdem nicht vollkommen an der Sache vorbei. Denn es geht ja
schließlich nicht um die abstrakte Größe der Gesamtenergie
in einem System, sondern um Energie, die für den Menschen nutzbar
ist. Elektrische Energie wird etwa in Wärmeenergie umgewandelt,
das muss aber immer wieder bzw. ständig passieren, weil die Wärme
etwa eines Raumes nach außen weitergegeben wird - der Energieverbrauch
bezieht sich auf diesen Prozess der ungewünschten Umwandlung
oder Weiterwirkung einer Energieform. Damit ist auch ein allgemeines
Problem von Stromkreisläufen angeschnitten. Schon die Hitze einer
Glühbirne zeigt uns an, dass hier ein Teil der Energie nicht
zweckmäßig genutzt wird und damit, umgangssprachlich, "verloren"
geht. Praktisch alle Umwandlungsprozesse haben mit derartigen Verlusten
zu kämpfen.
Wenn wir von Energieverbrauch reden, meinen wir damit, technisch ausgedrückt,
die Energie, die nötig ist um eine bestimmte "Arbeit"
(im physikalischen Sinn) zu leisten. Tatsächlich sind "Strom"
und "Energie", technisch gesehen, eng mit dem physikalischen
Konzept der "Arbeit" verwandt - was sich unter anderem darin
widerspiegelt, dass die zentrale Einheit, in der Stromverbrauch gemessen
wird, Joule ist oder, bekannter: Wattsekunde. Ein Joule bezeichnet
die Menge an Energie, die aufgewendet werden muss, um eine Sekunde
lang die Leistung von einem Watt zu erbringen.
Eines der mit der Unmöglichkeit, Energie zu "produzieren"
oder zu "vernichten", verbundenen praktischen Probleme ist
jenes der Speicherung von Strom. Eine direkte Speicherung elektrischer
Energie ist nicht möglich - Strom kann nur über den Umweg
der Umwandlung in eine andere Energieform gespeichert werden. Technologische
Lösungen dieses Problems sind etwa in jedem Handy-Akku zu finden,
oder auch in Pumpspeicherkraftwerken, in denen Wasser zur späteren
Umwandlung in elektrische Energie zwischengelagert wird. In der Natur
gibt es zudem bestimmte Energieträger, die z.B. über Verbrennungsprozesse
in ihnen "gespeicherte" Energie freisetzen, so etwa fossile
Energieträger (Erdöl, Kohle, Erdgas).