Strom, direkt aus der Erde
Energie
ist in der Natur auf verschiedene Arten "gespeichert". Abgesehen
von natürlichen Energiequellen wie Wasser, Wind und Sonne gilt
die umweltfreundliche Erschließung dieser Energie als klimafreundliche
Hoffnung für die Stromproduktion. Zwei Arten von Energie spielen
dabei eine zentrale Rolle: Biomasse und Erdwärme.
Biomasse bezeichnet zunächst alles Organische auf der Erde. In
Biomasse ist, und das ist für den Zusammenhang der Stromproduktion
wesentlich, Energie gespeichert, die auf verschiedene Arten nutzbar
gemacht werden kann. Das Energiepotential von Biomasse beruht auf
einem natürlichen Prozess der Energieumwandlung und Speicherung,
wie er lange vor Erfindung der Kraftwerke schon von Pflanzen genutzt
wurde: der Photosynthese, ein Prozess, der die Energie der Sonne in
Kohlehydraten speichert. Dieser pflanzliche Prozess ist eine unabdingbare
Voraussetzung jedes tierischen und menschlichen Lebens - die von Pflanzen
erzeugte Energie bildet die Ernährungsgrundlage für alle
anderen Lebewesen. Aus Biomasse werden hauptsächlich Kraftstoffe
hergestellt, die als Alternativen zu Rohöl und Erdgas dienen.
Aber auch elektrische Energie sowie Wasserstoff und andere Brennstoffe
können aus Biomasse gewonnen werden.
Allerdings sind die Prozesse der Energiegewinnung noch nicht ausgereift.
Das Hauptproblem dabei: Die Nachhaltigkeit beruht auf einem rechnerischen
Nullsummenspiel von CO2-Emissionen: Die Freisetzung des CO2 bei der
Energieumwandlung entspricht der Menge an CO2, die bei der Erzeugung
von Biomasse durch die Pflanzen "verbraucht", also in Form
von Kohlehydraten gebunden wird. Nicht miteinbezogen sind in dieser
Rechnung allerdings Faktoren wie die nicht nachhaltige landwirtschaftliche
Produktion von Biomasse, denn die "natürlichen" Rohstoffe,
die zur Erzeugung von Biomasse verwendet werden, werden in intensiver
Landwirtschaft, sprich in monokulturellen Plantagen, die mit massiver
Düngung und Rodungen verbunden sind, angebaut. Im Endeffekt können
sich so negative Auswirkungen auf die Klimabilanz ergeben.
Im Vergleich zur auch öffentlich immer wieder thematisierten
Nutzung von Biomasse weniger bekannt ist eine zweite Form von natürlich
gespeicherter Energie: Erdwärme, auch Geothermie genannt. Energiegewinnung
aus der Erde ist möglich, weil unser Planet auf verschiedene
Weisen Wärme speichert und abgibt, die spezifische Temperatur
der Erdoberfläche ist in Wechselwirkung mit den klimatischen
Bedingungen der Erdatmosphäre dafür verantwortlich, dass
auf der Erde als einzigem der uns bekannten Planeten Leben entstehen
konnte. Auch Erdwärme kann zur Stromerzeugung genutzt werden.
Dabei sind zwei Faktoren für die Erdwärme verantwortlich:
Einerseits ist die Erde in ihrem Kern heiß, diese Tatsache geht
noch auf die Zeit der Entstehung der Erde zurück, andererseits
speichert die Erde in ihren obersten Schichten Sonnenwärme. Die
tiefe Geothermie kann zur Stromerzeugung genutzt werden, die oberflächliche
zum Heizen, zum Beispiel in Form von Wärmepumpen bzw. Wärmepumpenheizungen.
Auch bei der Nutzung von Erdwärme ist aber auf Nachhaltigkeit
zu achten, speziell weil Eingriffe in das Wärmesystem der Erde
Prozesse in Gang setzen können, deren Konsequenzen nicht abschätzbar
sind. Die Möglichkeiten und die zu erwartenden Konsequenzen der
Nutzung von Erwärme sind bislang noch schlecht erforscht. Durch
die Entnahme von Wärme aus der Erde könnte es zu Veränderungen
in den Lebensräumen von Menschen, Tieren und Pflanzen kommen.
Bei übermäßiger Nutzung könnte theoretische eine
markante Abkühlung des Erdkörpers drohen.