Atomstrom - gut für die Umwelt?

AtomstromSchon beim Bau der ersten Atomkraftwerke in Europa standen sich glühende Unterstützer und vehemente Gegner gegenüber. Heute haben beinahe alle europäischen Länder Atomkraftwerke -unter den Spitzenreitern ist Frankreich mit über vierzig Kernkraftwerken. Zu den Ausnahmen zählt Österreich, hier wurde in den 1970er Jahren die Diskussion um den Atomstrom sehr heftig geführt, die Gegner konnten sich schlussendlich in einer wegweisenden Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf durchsetzen.

Tatsächlich kann man bei Atomstrom sowohl einige massive Vorteile zu anderen Arten der Stromgewinnung als auch einige eklatante Nachteile und Gefahren feststellen. Zu den Vorteilen kann die hohe Energieeffizienz gerechnet werden: Durch Kernspaltung kann ein hohes Energielevel erzeugt werden, was die Deckung eines großen Teils des nationalen Strombedarfs mit wenigen Kernkraftwerken erlaubt. Auch mit Blick auf den Treibhauseffekt muss festgehalten werden, dass Atomstrom - trotz anderer Umweltgefahren - eine der klimafreundlichsten Stromerzeugungstechnologien ist: Der CO2-Ausstoß der Kraftwerke selbst ist vernachlässigbar gering, verglichen etwa mit demjenigen von Kohlekraftwerken.

Soweit zu den Kraftwerken. Bei der Anwendung einer Technologie zur Stromerzeugung darf man aber nicht Teilbereiche vergleichen - es muss der Aufwand der gesamten Wertschöpfungskette in Betracht gezogen werden; und da zeichnet sich für die Atomkraft schon ein vollkommen anderes Bild ab: Zwar wird in den Kraftwerken tatsächlich nichts verbrannt, daher auch kein CO2 ausgestoßen, der Abbau des nötigen Rohstoff für die Kernspaltung, des Uran, ist allerdings sehr energieaufwendig und emissionsstark. Uran kommt in gewissen Gesteinsarten (Uranerzen) vor, da aber nicht in reiner Form. Die notwendige Filterung verbraucht Energie. Stark uranhaltige Gesteinsarten werden zunehmend rar, der notwendige Energieaufwand wird entsprechend steigen. Derzeit arbeitet die Kernenergiewirtschaft noch verstärkt mit Reserven aus der Nuklearaufrüstung aus der Zeit des Kalten Krieges.

In absehbarer Zeit wird sich ein Nullsummenspiel ergeben: Die zur Rohstoffaufbereitung benötigte Energie wird mit der aus diesen Rohstoffen gewonnenen Energie gleichziehen. Damit wird Atomstrom auch unwirtschaftlich. Gerade aus diesem Grund lehnen viele Energieexperten speziell den Bau neuer Atomkraftwerke ab, da der Energieaufwand eines Neubaus sich nicht mehr rentieren kann. An den Überresten der Atomwirtschaft werden wir auch danach noch Jahrzehnte zu kauen haben.

Der größte Nachteil von Kernkraft ist nach wie vor der alt bekannte: Im Vergleich zu den Folgen von Unfällen in Atomkraftwerken hört sich die Sorge um Treibhausgase wie eine Lappalie an. Alle im Inneren eines Kraftwerks befindlichen Produktionsmittel sind schwer verstrahlt, wenn sie bei einem Unfall austreten, können sich verheerende Konsequenzen für Umwelt und Bevölkerung nicht nur in unmittelbarer Nähe, sondern auf weite Entfernungen und über Jahre und Jahrzehnte ergeben. Werden notwendige Wartungsarbeiten aus Geldmangel nicht durchgeführt, steigt das Risiko eines solchen Unfalls dramatisch an.

Nicht geklärt ist außerdem die Frage nach der Entsorgung verstrahlten Atommülls. Es ist noch keine Möglichkeit gefunden worden, diese tickenden Zeitbomben auf eine Art zu entsorgen, die nicht in hohem Maße umweltschädlich wäre.

Atomstrom muss dem Endverbraucher nicht klar als solcher benannt werden, laut Greenpeace werden gerne Euphemismen oder unklare Kürzel für Atomstrom verwendet, etwa "Strom unbekannter Herkunft" oder "UCTE-Mix".